Mittwoch, 30. November 2011

Konzertierte Notenbank-Aktion Nr. 2: Liquidität für alle! - Dope statt Entzug und Börsenparty gegen die Krise

Gerade einmal elf Wochen sind vergangen, seit der letzten konzertierten Aktion der Notenbanken. Auch damals, am 15. September, ging es darum, dem Vertrauensverlust der Banken untereinander zu begegnen und ihnen unbegrenzte Liquidität zuzusichern. Auch damals waren die Dollars knapp geworden.
Das hat offensichtlich nicht ausgereicht. Jetzt haben die Notenbanken nachgelegt und untereinander gleich die Dollar-Swap-Geschäfte neu geregelt sowie billiger gemacht, um die Märkte noch leichter mit Geld versorgen zu können. Zudem wurden weitere Tauschgeschäfte vereinbart, um für den Notfall gerüstet zu sein. (1)
Die Aktienkurse schossen darauf hin nach oben. Bis 17 Uhr lag der Dax zeitweise über fünf Prozent im Plus, der Dow Jones kletterte um bis zu 3,7 Prozent.
Bereits am Morgen hatte die People´s Bank of China den Börsen ersten Auftrieb verliehen, nachdem bekannt geworden war, dass sie erstmals seit drei Jahren die Mindestreserve-Anforderungen für Banken gelockert hat. (2)
Offensichtlich hat die Nervosität der Banken ein kritisches Maß erreicht. Gut abzulesen ist dies beispielsweise auch am Anstieg der Übernacht-Einlagen bei der Europäischen Zentralbank. Sie sind im Vergleich zum Vortag (281,4 Mrd. Euro) nochmals um 15,7 Mrd. Euro auf heute 297,1 Mrd. Euro gestiegen. Die 300-Milliarden-Euro-Marke hatten die Übernacht-Einlagen zuletzt im Verlauf der ersten dramatischen Zuspitzung der Griechenlandkrise im Sommer 2010 überstiegen. (3)
Doch genau wie nach der Lehman-Pleite im Herbst und Winter 2008, als die Notenbanken ebenfalls wiederholt in konzertierten Aktionen die Märkte mit Liquidität fluteten, werden damit auch dieses Mal lediglich die Symptome der Finanzmarktkrise behandelt. An den erneut aufgeblähten und mit hoch riskanten Papieren belasteten Bilanzen vieler Groß- und Investmentbanken ändert das freilich nichts. Es ist folglich eine lebensverlängernde Maßnahme.
Die Notenbankaktion ist folglich nichts Geringeres als ein Offenbarungseid. Denn die Aktion zeigt, dass bis heute kein Weg gefunden wurde, den Banken wenigstens die Risiken auszutreiben, die mit dem Etikett „Crash-Garantie“ versehen sind. Diese „Garantie“ verstehen die Banker allerdings anders, nämlich dass man sie hinterher nicht für den Schaden einstehen lässt. Dabei wäre Vorbeugung – die ja von den Politikern auch vollmundig versprochen wurde - der beste Weg gewesen.
Jetzt ist es also wieder zu spät für Vorbeugung. Es ist hohe Zeit für hektische Feuerwehraktionen.
Zu allem Übel kann es aber außerdem noch als eine Tatsache gelten, dass die Politik des vielen, billigen Geldes erst in die Finanzmarktkrise geführt hat. Und zwischenzeitlich haben auch einige Experten explizit und eindringlich darauf hingewiesen - z. B. Steve Keen (4) (5), der ebenso wie etwa auch Nouriel Roubini vor der Finanzmarktkrise gewarnt hatte  -, dass dieses Geld, anders als vom ökonomischen Mainstream und Notenbankern wie Ben Bernanke angenommen, größtenteils eben nicht in die Realwirtschaft fließt, sondern in das Finanzmarkt-Casino - und das ist jetzt scheinbar erneut „crashreif“. Das anhaltend vor sich hin dümpelnde Wirtschaftswachstum und die prekäre Arbeitsmarktsituation in den USA belegen jedenfalls nur allzu deutlich, wohin das viele Geld nicht geflossen ist.
Mit anderen Worten zeigt die aktuelle konzertierte Aktion der Notenbanken auch, dass sie nach wie vor über kein wirklich wirksames Deeskalationskonzept verfügen. Bildlich gesprochen wird also in Ermangelung einer besseren Strategie das Feuer mit Brandbeschleunigern bekämpft.
Genau wie die Politik erkaufen sich auch die Notenbanken lediglich immer wieder Zeit. Das ist wahrlich kein Grund zum Jubeln – auch für die Börsianer nicht. Nach der Party dürfte deswegen auch dieses Mal bald der Kater kommen – und in Kürze gewiss die nächste Feuerwehraktion der Notenbanken.

Kommentare:

  1. Es wurde eine große Chance vertan für ein allgemeines Umdenken im Finanzmarktsektor und für weitreichende Regulierungen. Der König ist tot, lang lebe der König.

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  2. @ Anonym

    Ein wahres Wort, gelassen ausgesprochen.

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