Sonntag, 30. Juni 2013

Enthüllungen von Edward Snowden: Hör auf zu träumen, Europa!



Europa, hör auf zu träumen! Die Vertreter der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika sind so wenig unsere Freunde wie es die der britischen Regierung sind. Sie handeln in ihrem ureigensten politischen und wirtschaftlichen Interesse und zwar ausschließlich. In dieser Hinsicht stehen sie uns nicht näher als andere Länder, die keine Demokratien sind und sich auch sonst sehr stark von uns unterscheiden, wie z.B. China.
Zur Durchsetzung ihrer Interessen sind sie die USA und Großbritannien selbstverständlich und unzweifelhaft jederzeit bereit, ihre geheimdienstlichen Ressourcen und Möglichkeiten einzusetzen, um andere zu übervorteilen. Alle versuchen das.
Die vom ehemaligen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an die Presse weitergegebenen Dokumente über die Abhörprogramme und –aktivitäten der amerikanischen National Security Agency (NSA) und ihres britischen Pendants Government Communication Headquarters (GCHQ) zeigen jedoch die Extraklasse, die gerade diese beiden Dienste in dieser Disziplin erreicht haben und in welch atemberaubenden Umfang sie von ihren Fähigkeiten Gebrauch machen.
So hat die britische Regierung etwa bei in Großbritannien abgehaltenen Gipfeltreffen der führenden Industrie-nationen Politiker und Diplomaten aus den Teilnehmerländern abhören lassen, um ihre Verhandlungsziele erreichen zu können. (1) (2) Erst gestern wurde – ebenfalls auf der Grundlage der Auswertung der von Edward Snowden an die Presse weitergegebenen Dokumente – bekannt, dass die NSA auch die Vertretungen der Europäischen Union in Washington und bei den Vereinten Nationen ausspioniert. Ferner attackierte sie in Europa, und zwar von Räumlichkeiten der Nato aus, die Einrichtungen des Ministerrates und des Europäischen Rates in Brüssel, das heißt, die beiden nach wie vor wichtigsten politischen Entscheidungsinstanzen auf europäischer Ebene. (3)
Heute wurde bekannt, dass Deutschland ein zentrales Ziel der Abhöraktivitäten der NSA in Europa ist (4) und "dass die US-Geheimdienste mit Billigung des Weißen Hauses gezielt auch die Bundesregierung ausforschen, wohl bis hinauf zur Kanzlerin" (5).
Edward Snowden verfügt Berichten zufolge noch über weit mehr Dokumente, die er nach eigener Aussage sukzessive sichten und zumindest zum Teil auch an die Öffentlichkeit geben will. Mehr noch hat er offenbar sogar sichergestellt, dass alle Informationen gewissenhaft ausgewertet und die vollständige Wahrheit über die Abhör-aktivitäten auch dann ans Licht kommt, wenn ihm selbst etwas zustoßen sollte. (6) (7)
Sollte es uns überraschen, was die amerikanischen und britischen Geheimdienste tun?
Nein, eigentlich nicht. Die Empörung über die angeblich unzureichende Kontrolle von deren Aktivitäten ist nichts weiter als Heuchelei. Die jeweiligen Regierungen wissen gemäß der veröffentlichten Informationen nicht nur darüber Bescheid, sie sie sind auch Aufraggeber und Nutzer.
Als die Süddeutsche Zeitung jetzt publik machte, wie der britische Geheimdienst GCHQ Deutschland mit Hilfe seines Internet-Überwachungsprogramms Tempora ausspäht (8) (9), schickte Bundesinnenminister Friedrich einen dreizehn Punkte umfassenden Fragenkatalog zum Abhörprogramm an die britische Regierung. Die Antwort aus London umfasste lediglich drei kurze Sätze, in denen zum Ausdruck gebracht wurde, dass man sich, wie bekannt, grundsätzlich nicht zu nachrichtendienstlichen Angelegenheiten äußere und darauf hinwies, dass bilaterale Gespräche zwischen den deutschen und britischen Geheimdiensten wohl die geeignete Ebene für die Kommunikation seien. (10)
Nur für den Fall, dass dies nicht evident sein sollte: Das war keine Antwort, es war eine Demütigung.
Apropos Demütigung - in dieser Woche erregten auch Telefonmitschnitte von Gesprächen zwischen Bankern der nach der Lehman-Pleite mit Milliardenhilfen gestützten Pleite-Bank Anglo Irish Aufsehen. (11) Darin verhöhnten die Banker ihr Umfeld und insbesondere auch die Deutschen, weil ihnen völlig klar war, dass die Rettungs-milliarden nicht ausreichen und die Bank nicht mehr zu retten war.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf dem EU-Gipfeltreffen gegenüber Presse und Medien, dafür habe sie „nur Verachtung“ übrig. (12) Bundesfinanzminister Schäuble äußerte sich in der FAZ ähnlich: „Diese Banker gefielen sich offensichtlich in der Rolle von abgehobenen Übermenschen, die nur Verachtung für ihre Mitmenschen haben. Dabei waren sie es, denen unsere Verachtung zuteil kommen sollte und denen wir das Handwerk legen müssen.“ Zudem, so Minister Schäuble weiter, belegten die Aufnahmen, „dass es unverändert wichtig ist, nicht zu meinen, dass alles jetzt gut sei, sondern vorsichtig und aufmerksam zu bleiben, um solchen Machenschaften zu begegnen.(13)
Das sind bemerkenswert wahre Worte der Bundeskanzlerin und ihres Bundesfinanzminister, aber sie werfen zweifellos Fragen auf:

  • Warum finden sie solche Worte nicht auch für die umfassenden Abhöraktivitäten der amerikanischen und britischen Geheimdienste und die dreiste Antwort aus London auf Fragen zum britischen Abhör-programm?

  • Ist es nicht verachtenswert, wenn Staaten, die sich als faire, freiheitlich-demokratische Partner gerieren so etwas tun, um ihre Partner – nicht nur, aber auch – zu übervorteilen?

  • Muss diesem Treiben nicht ebenfalls unbedingt und rasch ein Riegel vorgeschoben werden?

Angela Merkel hatte vor dem EU-Gipfel klar zum Ausdruck gebracht, sie wolle dieses Treffen nicht dazu nutzen, um die Abhöraktivitäten der Briten zu thematisieren.

  • Sind diese Abhöraktivitäten und die demütigende Antwort aus London zu den diesbezüglich formulierten Fragen aus deutscher (und europäischer) Sicht nicht skandalös und alarmierend genug, um prompt und nachdrücklich darauf zu reagieren?

  • Werden aus den Enthüllungen keine Konsequenzen gezogen?

Die Europäische Kommission wurde Ende vergangener Woche von den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union offizielle dazu autorisiert, mit den USA Verhandlungen über eine europäisch-amerikanische Freihandelszone aufzunehmen.

  • Wer zweifelt daran, dass die USA dabei alleine ihre Interessen im Auge haben und alle Mittel ausschöpfen werden, um die Europäer zu übervorteilen?

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber es ist der Eindruck entstanden, die Bundeskanzlerin reagiere zwar scharf auf die Übervorteilung Deutschlands und der europäischen Gemeinschaft durch Banker, akzeptiere jedoch stumm die Übervorteilung durch die „befreundeten“ Regierungen der USA und Großbritanniens und das nur wieder wirft neue Fragen auf.
Eines ist klar: Die US-Regierung hätte gänzlich anders reagiert, wenn publik geworden wäre, dass sie durch deutsche Geheimdienste in dieser Weise ausgespäht wird.
Im September wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Jeder sollte sich vor dieser Wahl auch Gedanken darüber machen, wie er künftig deutsche und europäische Interessen vertreten und verteidigt sehen will.
Wer sich übervorteilen lässt und anschließend nur mit Wattebäuschen wirft, der darf sich nicht wundern, wenn er verhöhnt wird. Das gilt für Deutschland und ganz besonders für Europa. Wenn Europa als starke Weltregion ernstgenommen werden will, wird es seine Gangart wohl ändern müssen. Es wäre zugleich auch ein notwendiger wichtiger Schritt in Richtung Krisenbewältigung.

Kommentare:

  1. Och, Herr Eichner, nur hörn Se 'mal auf mit dem Geunke, gell! Die NSA macht den Job des BND (okee, die legen dann da noch 'ne Schippe drauf), der BND den der NSA ... und anschließend wird getauscht. So hat jeder was er braucht - der Friedrich seine Vorratsdatenspeicherung, die Amis eine erfolgreiche Wirtschaftsspionage. Alles gut? ;-)

    PS.: Die lt. dem Nobelpreisträger verhinderten 50 Terroranschläge sind ja wohl 'n Scherz. Bei dem Aufwand haben die sicher tausende Anschläge verhindert ... oder vllt. sogar Null?

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  2. Hallo!
    Hier mal was anderes zum Thema:
    Gerne möchte ich noch einmal an dieses Video erinnern
    http://www.youtube.com/watch?v=GxGLOFc5NU8
    lordmmx vor 2 Jahren (Edward Snowden) Postete diesen Satz auf meinem Kanal
    "Das Buch habe ich gelesen. Es lohnt sich bis zum Ende durchzuhalten"
    Damit meint er das skandalöse Buch 334 Promille Lüge.
    Wer es nicht glaubt braucht bei dem Video nur nach ganz unten scrollen. (Vorletzter Eintrag)
    NEU: Seit Juni 2013 sind die Schlüsseltechniken des Geheimbundes bezüglich 334 Promille Lüge im Buch "Schlüssel zur Erleuchtung" erläutert. Siehe www.erleuchtungsweg.de

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