Dienstag, 14. Juli 2009

Leserbrief an Grit Beecken, manager-magazin.de, zum Artikel "Banken horten Geld" vom 6.07.09


Betreff: Ihr Artikel "Banken horten Geld"
Von: Dr. Stefan L. Eichner
Datum: 07.07.2009 11:36
An: grit_beecken@manager-magazin.de, mm-lesermail@manager-magazin.de
 

Sehr geehrte Frau Beecken,

Ihr Artikel zeigt in aller Deutlichkeit auf, dass der Kreditmarkt nicht funktioniert. Alle Maßnahmen der Notenbanken verpuffen, aber die Notenbanken haben dennoch nicht den Glauben an den guten Willen der Banken und daran verloren, dass die Märkte ohne Eingriffe in die Marktstrukturen wieder in Gang gebracht werden können.

Und die Regierungen - nicht nur die deutsche, aber die besonders - haben nichts besseres zu tun als alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Banken dies und alle anderen Spiele, die sie so gerne spielen, obwohl sie damit die Gesamtwirtschaft in die Krise getrieben haben, fortsetzen können. Aktuell sollen zu diesem Zweck nun also die Eigen-kapital- und Bilanzregeln gelockert werden. Auch die Politiker scheinen zu glauben, im Grundsatz wären die Märkte unter Beibehaltung der bestehenden Marktstrukturen - im Industriesektor machen sie ja im Grunde dasselbe wie bei den Banken auch - irgendwie wieder in Gang zu bringen.

Es werden gigantische Summen aufgewendet und Regeln unter gröbster Missachtung all dessen, was wir über die Voraussetzungen für funktionierenden Wettbewerb und funktionierende Märkte wissen, einfach verändert oder außer Kraft gesetzt, nur um die Global Player vor dem Schlimmsten zu bewahren. So war das auch gegen Ende der Weimarer Republik. Alles soll so weitergehen können wie bisher.

Das hat mit Wirtschaftspolitik nichts mehr zu tun. Diese Strategie hat keine Aussichten auf Erfolg. Es ist schlicht ein in jeder Hinsicht teurer Kniefall vor den Großbanken, Investmentbanken und allgemein Konzernen. Es würde mich nicht überraschen, wenn die Bundes-regierung im Herbst den neuen EU-Wettbewerbskommissar stellen will, damit sie dies noch besser tun kann.

Sobald die Finanzmärkte begreifen, dass die Regierungen mit gigan-tischem Aufwand die Wirtschaft nicht gedreht, sondern die Talfahrt lediglich vorübergehend verlangsamt haben, droht die Stimmung zu kippen. Dann schwindet ganz rasch das Vertrauen in die Regierungen, die Krise in den Griff zu bekommen und plötzlich sehen alle nur noch auf die hohe Staatsverschuldung. Und die Notenbanken machen Nullzins-Politik und haben die Märkte mit Geld geflutet.

Ich spiele ja nicht gerne Kassandra, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies gut ausgeht.

Viele Grüße
Ihr Leser
Stefan L. Eichner

Links:

Grit Beecken: Liquidität: Banken horten Geld (v. 06.07.09);
Grit Beecken: Peer Steinbrück - Bankier ohne Bank (v. 09.07.09);
Als wäre nichts gewesen (v. 10.07.09);

Investmentbanken: Die Rückkehr der Jongleure (v. 16.07.09);
Wall Street: Der Rausch nach dem Kater (08/2009);
Kaupthing: Großaktionäre plünderten Bank vor der Pleite (v. 04.08.09);
Kreditklemme: Commerzbank: Nur bedingt eine Mittelstandsbank (v. 28.07.09);
Bankkredite: Banken schröpfen Kunden beim Kredit (v. 20.08.09);
Unternehmensanleihen: Experten fürchten Rückschläge an Kreditmärkten (v. 25.08.09);
Kreditklemme: Bund pumpt mehr Geld in den Kreditmarkt (v. 25.08.09);
Studie: Mehrheit der großen Unternehmen kämpft weiter ums Überleben (v. 12.07.09);
William R. White: Konjunktur: Es wird nicht wieder "normal" (v. 02.09.09);
Umfrage zu Konjunkturprogrammen: Mittelständler fühlen sich benachteiligt (v. 14.09.09);
Vertrauensverlust: Anleger lassen Dollar fallen (v. 14.10.09);
Gier an den Märkten: Casino-Kapitalismus feiert Comeback (v. 15.10.09).

Kommentare:

  1. Was für ein grauenhaft geschriebener Brief. Sätze, die mehr als fünf Zeilen lang sind, sind für uns anonyme Laien nur schwer zu lesen.

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  2. Ich bemühe mich immer, fachchinesisch zu vermeiden und einigermaßen verständlich zu formulieren. Aber es stimmt, es sind lange Sätze. Insofern danke für die Anregung.

    Zu meiner Rechtfertigung möchte ich sagen, dass der Brief zunächst nur für Frau Beecken gedacht war. Ich habe mich erst später entschieden, ihn in mein Blog zu stellen, nachdem das manager magazin das Thema aufgegriffen hatte (siehe Linkliste).

    Grüße
    SLE

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