Mittwoch, 22. September 2010

Obama kann auf Larry Summers Rat verzichten


Larry Summers, angesehener US-Ökonom und ehemaliger Harvard-Präsident, war von Beginn an dabei. Barack Obama machte ihn zu seinem Wirtschaftsberater. Summers hat das Anti-Rezessionsprogramm der US-Regierung seit Anfang 2008 mitgeprägt.
Jetzt tritt er als Ratgeber zurück, genau wie es vor wenigen Wochen schon seine ebenfalls renommierte Kollegin Christina Romer tat, ehedem Vorsitzende von Obamas Wirtschaftsrat.

Die US-Wirtschaftskrise ist trotz aller Maßnahmen, die die US-Regierung seit Amtsantritt ergriffen hat, nicht bewältigt. Im Gegenteil, in den letzten Monaten hat sich die Wirtschaftslage nach einem Zwischenhoch wieder verschlechtert. Auf das Jahr hochgerechnet gab es im zweiten Quartal nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent - nach deutscher Lesart entspricht das 0,4 Prozent. In den letzten Wochen sind konsequenterweise in den USA zunehmend Ängste aufgekommen, die US-Wirtschaft könnte in die Rezession zurückfallen, die gerade erst offiziell vom Ökonomengremium National Bureau of Economic Research (NBER) für beendet erklärt worden ist - seit Juni 2009.

Noch schlimmer sieht es in puncto Arbeitslosigkeit aus, wo sich die Lage überhaupt nie wirklich entspannt hat. Über 16 Millionen Arbeitslose sind es offiziell. Doch Tatsächlich dürfte die Arbeitslosigkeit weit höher liegen, angesichts der Tatsache, dass mehr als 40 Millionen US-Amerikaner vom Staat Essensmarken erhalten, weil sie selbst nicht mehr in der Lage sind, sich zu ernähren.

Wenn also Larry Summers Wirtschaftsexperte ist und die Probleme und Ursachen der desaströsen Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage kennt, warum waren dann alle bisherigen Maßnahmen praktisch erfolglos ?

Edmund Phelps, mit dem Nobelpreis ausgezeichneter US-Ökonom, ist der Auffassung, dass Präsident Obama die falschen Berater hat. Vor einigen Wochen nannte er explizit Larry Summers, den Phelps zwar als intelligent und zuverlässig schätzt, aber nicht für originell hält. Obama brauche "kreative, wilde Vordenker mit dem Mut zu neuen Wegen in der Wirtschaftspolitik".

Zwar kann auch Phelps nicht mit einer schlüssigen Erklärung für die anhaltende und sich offenbar wieder verschärfende Krise aufwarten. Dennoch hat er mit seiner Kritik recht und weist mit seinem Vorschlag den Weg.

Summers macht nun also den Weg für eine Neuorientierung der Krisen-politik frei. Obama wird sich genau überlegen müssen, auf wessen Rat er nun hören will. Viel zu heikel ist die Lage, als dass Obama es sich leisten könnte eine Wahl zu treffen, die sich im Nachhinein alsbald als falsch herausstellt, weil sich in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt nichts zum Besseren ändert.

Es ist sicher richtig, dass sich auf den ersten Blick ein namhafter Nachfolger aus den Wirtschaftswissenschaften oder aus der Wirtschaft anbietet. Doch was könnten namhafte Vertreter an Neuem beisteuern ? Basiert nicht ihre Reputation auf Wissen und Erfahrungen, die in der Krise gescheitert sind. Die Krise hat die führenden Ökonomen und Unternehmenslenker sprach- und ratlos werden lassen. Die Probleme sind aber immer noch dieselben, sie sind nicht gelöst worden. Die Antworten sind uns die namhaften Fachleute bis heute schuldig geblieben. Und es dürfte mittlerweile auch klar sein, dass sich die Krise mit viel Geld allein ebensowenig wird überwinden lassen wie mit drastischen Sparkonzepten.


Vor den Kongresswahlen kann jedoch auch der beste neue Berater nicht mehr viel bewegen. Aber möglicherweise wäre schon viel erreicht, wenn Obama endlich die Phase der Orientierungslosigkeit beenden und ein neues Konzept vorstellen könnte, das überzeugend genug ist, um die Amerikaner wieder hoffen zu lassen. Und überzeugend kann ein solches Konzept nur sein, wenn die sowohl schlüssige als auch überzeugende Erklärung für die Ursachen der Misere den für notwendig erachteten Maßnahmen vorangestellt wird. Das zu leisten, wird nicht einfach sein und die enormen Probleme bestehen ohnehin vorerst weiter fort.

Ergänzend empfohlene Artikel:
- Kriselnde US-Konjunktur: Amerikas Tunnel ins Nirgendwo (v. 17.10.10).

 

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