Donnerstag, 2. August 2012

Die Fed und die EZB: Nie war der Druck auf die Notenbanken größer


… nie waren sie stärker mit den Grenzen ihrer Möglichkeiten konfrontiert, die Krisendynamik zu brechen, die längst nicht mehr nur auf den Finanzmärkten existiert, sondern ebenso bei den Staatsfinanzen und erneut auch wieder verstärkt in der Wirtschaft.
Und weil die Politik, die Märkte und die Medien den Notenbanken seit der US-Hypothekenkrise sowie noch verstärkt nach der Lehman-Pleite im September 2008 die Hauptlast der Krisenbewältigung auf die Schultern geladen haben, war auch noch nie der auf den führenden Notenbanken lastende Druck größer, sich von dieser – zu Unrecht zugewiesenen, aber anfangs stillschweigend, weil hoffnungsfroh, akzeptierten - Last zu befreien. Nie dürfte der Druck größer gewesen sein, sich quasi freizuschwimmen und ans rettende Ufer des Manövrierens innerhalb der altvertrauten Grenzen der Geldpolitik zu gelangen.
Auch wenn es dieses rettende Ufer in diesem Sinne vielleicht gar nicht mehr gibt, weil die zurückliegenden Jahre uns eine Geschichte davon erzählen, wie löcherig die theoretische Basis und die von den Notenbanken angewandten Modelle tatsächlich sind, so schwimmen die Notenbanker dennoch in diese Richtung. Was bleibt ihnen auch anderes übrig, wenn sie sich nicht in der Situation wiederfinden wollen, in der ihnen die Hauptverant-wortung für das zugewiesen wird, was viele erwarten und worauf die enorme gestiegene Nervosität an den Märkten wie vor allem auch unter den führenden Politikern in den USA und Europa hinweist: eine Eskalation des Krisen-gebräus.
Mervyn King, der Chef der Bank of England, die aktuell zusätzlich auch noch wegen des Libor-Skandals unter Beschuss steht, ist dennoch in gewisser Weise der lachende Dritte. Denn im Krisenfokus stehen wegen ihrer Größe und weltwirtschaftlichen Bedeutung viel stärker die USA und vor allem die Euro-Zone. Mario Draghi und Ben Bernanke sind folglich diejenigen, auf die sich alle Augen richten. In Großbritannien ist zudem schon längst die Diskussion über Kings Nachfolger im Gange, der ihn in weniger als einem Jahr ablösen wird.
Die Fed hat gestern entschieden, nichts zu tun, das heißt, keine neuen Maßnahmen zu ergreifen. Der Leitzins blieb unverändert, eine dritte Runde des „Quantitative Easing“, also des Aufkaufs von US-Staatsanleihen, gibt es vorerst nicht. Ben Bernanke wartet ab.
Heute entscheidet die EZB, aber vorab wurde bereits berichtet, Mario Draghi wolle eine neue Strategie vorstellen, Entscheidungen darüber würden aber voraussichtlich erst im September fallen – nachdem das Bundesverfas-sungsgericht sein Urteil zum Europäischen Stabilitätsmechanismus gefällt hat. Im September wird auch erst der Griechenland-Bericht der Troika vorliegen, der darüber entscheidet, wie es mit dem Land weitergeht.
Andererseits wird die Euro-Zone seit Monaten als zentraler Krisenherd betrachtet – nicht die USA. Der auf der EZB lastende Druck ist also heute besonders hoch.
Doch selbst wenn die EZB heute den Ankauf von Staatsanleihen oder andere neue Schritte beschließt, dürfte sie damit im günstigsten Fall kurzfristig für Entspannung sorgen können. Das wissen die Ratsmitglieder. Die Halbwertszeit von Notenbankaktionen ist in den zurückliegenden Monaten kontinuierlich gesunken.
Freilich wäre das dann aber auch alles andere als ein Befreiungsschlag für die EZB und für Mario Draghi schon gar nicht, weil er nun – seitens kritischer konservativer Politiker und wegen der vom Europäischen Bürgerbe-auftragten eingeleiteten Untersuchung seiner Unabhängigkeit – auch persönlich unter Beschuss steht.
Ben Bernanke hat gegenüber Mario Draghi zudem einen wichtigen Trumpf in der Hand, den er behutsam, aber konsequent ausspielen kann: In den USA wird gewählt. Dort sind es jetzt die Politiker, die für das was sie tun oder nicht tun beurteilt werden und die Anfang November bei den Präsidentschaftswahlen um ihren Job bangen müssen. Eine bessere Chance, zumindest einen Teil der Verantwortungslast an die Politik zurückzuspielen, wird Bernanke wohl nicht mehr bekommen

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