Montag, 2. November 2009

Aufspaltung von Großbanken: Josef Ackermann widerspricht sich: Mal ist er dafür, mal dagegen


Da hat die niederländische Großbank ING jüngst die eigene Aufspaltung verkündet.(1) Und nun hat auch noch Großbritanniens Schatzkanzler Alistair Darling bekannt gegeben, Pläne für eine Aufspaltung der britischen Großbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds voran-zutreiben.(2) Immer mehr Fachleute sehen in letzter Zeit in der Aufspaltung von Großbanken ein probates, wenn nicht gar das Mittel, um die Finanzmärkte wieder in den Griff zu bekommen, auf denen es längst wieder so zugeht wie wie vor der Krise, während zugleich immer mehr Firmen in Existenznöte geraten, weil sie keine oder nur sehr schwer Kredite bekommen.(3) Im Zentrum steht dabei die Überlegung, es nicht mehr zuzulassen, dass ein und dieselbe Bank sowohl das zum Teil hoch riskante und für die Finanzmarktkrise verantwortliche Investmentbanking als auch das normale, für die Geldversorgung der Wirtschaft wichtige Bankgeschäft betreibt - so wie es einst in den USA der Glass-Steagall-Act von 1933 vorsah.(4)

Jetzt hat Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF), dagegen gehalten. Eine Aufspaltung der Finanzmärkte in mehrere Teile würde die Finanzmärkte nach seiner Auffassung nicht stabilisieren. Hinzu käme, dass große Konzerne weltweit tätig seien und nur große Banken die Bedürfnisse solcher Firmen befriedigen könnten. "Die Idee," so wird er zitiert, "dass wir künftig eine moderne, wachsende Wirtschaft mit mittelgroßen Sparkassen betreiben könnten, schlägt fehl."(5)

Das wäre eine klare Ansage gewesen, wenn, ja, wenn Josef Ackermann vor wenigen Monaten in dieser Frage nicht ganz anders geredet hätte.

Mitte Juni warnte er nämlich vor Banken-Giganten, vor der Entstehung eines globalen Oligopols in der Geldindustrie und den daraus entstehenden Systemrisiken. Auf einer Veranstaltung in Frankfurt wetterte er gegen die zunehmende Konzentration im Bankensektor: "Es wird nach der Krise einige große Banken geben, die sich den globalen Kuchen aufteilen - dadurch gibt es die Gefahr von oligopolistischen Strukturen", wurde er zitiert.(6) Wenn diese zusammenbrächen, dann würde das erhebliche Folgen für die Wirtschaft haben -  womit er sich indirekt für eine Zurecht-stutzung großer Banken aussprach - Zitat: "Die Frage der Zukunft wird sein: Wie groß darf eine Bank sein, im Verhältnis zur Wirtschaftskraft des Landes, dass sie nicht `too big too fail´ ist?"(7)

Da haben wir den Salat! Wenn man ständig die Interessen eines renom-mierten Geldinstituts im Auge hat, das selbst durch Zukäufe wächst und wächst und wächst (Norisbank, Berliner Bank, Postbank, Teile der ANB Amro, Sal. Oppenheim, vielleicht auch bald Monte dei  Paschi di Siena)(8), als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands IIF die Belange der Geldindustrie vertritt und dann als Experte auf der politischen Ebene auch noch das volkswirtschaftliche Ganze im Blick behalten muss, dann kann schon einmal leicht etwas durcheinander geraten.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf all jene Unternehmenslenker, Chefvolkswirte, Analysten, privatwirtschaftliche und von der Privatwirt-schaft abhängige Institutsleiter usw., die uns in den Medien als Wirtschafts- und Finanzmarktexperten präsentiert werden und ihre Sicht der Dinge hinsichtlich volkswirtschaftlicher Fragen darlegen. Sie alle sind nicht unabhängig. Wie objektiv können ihre Aussagen wirklich sein? Steht bei ihnen das große Ganze an erster Stelle? Wohl kaum.

Wer von uns würde bei einem Fußballspiel die Urteile eines Schieds-richters akzeptieren, der Mitglied einer der beiden Mannschaften ist? ... Bei Urteilen von Finanzmarkt- und Wirtschaftsexperten scheint das indes völlig unproblematisch zu sein. Na ja.

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